Sonntag, 3. Februar 2019

Sind Eltern die besseren Freunde?

Ich glaube, auf dem Blog habe ich das noch nicht erwähnt. Aber wer mich kennt, der weiß: ICH LIEBE DIE GILMORE GIRLS! In regelmäßigen Abständen schaue ich mir die Serie von Anfang bis Ende an, um dann festzustellen, dass ich wieder einen neuen Blickwinkel dazu gewonnen habe. Beim letzten Bing-Watching musste ich darüber nachdenken, wie ich es anfangs etwas befremdlich fand, dass Rory und Lorelai mehr beste Freundinnen waren als Mutter und Tochter. Ich war damals selbst mitten in der Pubertät und bin quasi mit dieser Serie aufgewachsen. Die enge Bindung der beiden war für mich faszinierend bis befremdlich. Erst wesentlich später konnte ich ihre Beziehung genauer einordnen und differenziert betrachten. 


Ja, Eltern-Kind-Freundschaften werden vor allem seit diesem traumhaften Duo Mega gefeiert. Es ist einfach total schick, wenn Mama und Tochter ziemlich beste Freundinnen sind. Ist die extrem schwierige Phase der Pubertät erst einmal überstanden, kann man gemeinsam Shoppen, Eis essen, oder ins Kino gehen – Ohne dass sich das eigene Kind für einen schämt. Was für tolle Aussichten! Man hat das Gefühl, man sei mehr und mehr auf Augenhöhe und könne einfach über alles reden - Und sich vielleicht sogar bei Beziehungstipps austauschen.

Sich verändernde Rollenbilder, Angst vorm Älterwerden und unsere heutigen Kommunikationsmittel wie WhatsApp und Facetime, mit denen man quasi stets und ständig in Verbindung sein kann, tragen sicher zum sogenannten Empty-Nest-Syndrom bei. Doch auch die Kinder haben es laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov häufig nicht besonders eilig, das Elternhaus so bald zu verlassen. Jeder zweite junge Mann wohnt mit Anfang 20 noch bei seinen Eltern, bei den Töchtern sind es 35%. Ist es aber nicht so, dass eine solche Beziehung das Risiko in sich birgt, dass Stück für Stück die Rollenverteilung schwammig wird beziehungsweise sich gänzlich auflöst? Kinder brauchen die Erwachsenen als Vorbilder, Wegweiser, Beschützer und ja, manchmal vielleicht als Autoritätsfigur. 
Es heißt außerdem, dass solche starken Bindungen zu den Eltern implizieren, dritte Personen quasi auszugrenzen. Haben wir dadurch vielleicht sogar den Hauptgrund für die unserer Generation diagnostizierten Beziehungsunfähigkeit gefunden? Auch bei den Gilmore Girls hatte es jeder Mann schwer und wirkte manchmal eher wie ein Störfaktor.
Natürlich ist es wichtig, dass man mit den Eltern immer über seine Probleme sprechen, sich ihnen anvertrauen kann. Rund 43% der Frauen rufen jeden Tag bei ihrer Mutter an, um sie an ihrem Leben teilhaben zu lassen, fand eine vom Reader's Digest in Auftrag gegebene Studie heraus. Das ist großartig. Und kommt von Herzen. Denn ich bin mir sicher, dass das von wirklichem Interesse am anderen herrührt. Es ist nicht mehr wie früher, wo man vielleicht nur aus Pflichtbewusstsein bei den Eltern angerufen hat. Und ich verstehe, dass man in einer Zeit, in der der Mobilitätswahn uns alle fest im Griff hat, nach ein wenig Beständigkeit sucht. Die Stimme der eigenen Eltern kann so etwas auslösen. Es tut gut zu wissen, dass Mama und Papa immer für uns da sind. Doch wann ist eigentlich der Punkt gekommen, an dem wir unsere Kämpfe unabhängig von ihnen austragen sollten?

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich über einige Entscheidungen, die meine Eltern früher für mich getroffen haben, furchtbar wütend war. Auch mit seinen Freunden streitet man, klar. Aber was man Mama und Papa verzeiht, kann man einer Freundin nicht immer vergeben. Nicht umsonst heißt es oft, die Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern sei bedingungslos. Um die Gedanken zum Ende zu bringen: Ob mehr Distanz zwischen den Generationen besser wäre, mag ich nicht beurteilen. Das hier sollen lediglich ein paar Denkanstöße sein. Die Gilmore Girls jedenfalls sind erwachsen geworden, das hat die Fortsetzung der Serie auf Netflix gezeigt, und so auch ihre Beziehung zueinander.

Sonntag, 11. November 2018

Wir müssen reden!

Es ist Zeit, hier mal wieder politisch zu werden. Denn bringen wir es auf den Punkt: Die Welt ist in einem ziemlich beschissenen Zustand. Und das macht mir verdammt große Angst. Was vor ein paar Jahren noch undenkbar schien, ist traurige Realität geworden. Was mich daran am meisten verstört ist die Tatsache, dass es scheinbar normal geworden ist. Unbegreiflicherweise regt sich kaum noch jemand über die infantilen und oftmals auch gefährlichen Äußerungen von US-Präsident Trump auf. Man zuckt nur noch hilflos mit den Schultern. Und es ist nicht ganz abwegig zu sagen, ein Krieg scheint manchmal nur einen Tweet entfernt zu sein. Dabei müssen wir geografisch gar nicht so weit weg gehen. Auch in Europa gewinnt das Autoritäre wieder an Attraktivität für viele Menschen.
 
Warum es mir so wichtig ist, das hier noch mal zu thematisieren? In dieser Woche hatte ich quasi eine Begegnung der dritten Art. Ein Erlebnis, das symbolhaft war für alles, was momentan schief läuft. Vor dem Landtag formierte sich eine relativ überschaubare Gruppe, die gegen überhöhte Kommunalabgaben protestierte. Berufsbedingt war ich quasi mitten unter ihnen. Was ich sah? Überwiegend weiße, alte Männer, die ihren eventuell nachvollziehbaren Unmut in teilweise unverhältnismäßiger Wut zum Ausdruck brachten. Und einen Politiker der Landesregierung, der vielleicht das Richtige meinte, aber das Falsche zu den Menschen sagte. Zu missverständlich, unkonkret und nicht verbindlich genug. Die Diskussion war hitzig, aber (noch) respektvoll. Bis einer von den Demonstranten sagte: "Mir reicht's! Für den N* auf der Straße habt ihr doch auch das Geld." Kurze Stille. Sonst nichts. Niemand regte sich über diese rassistische Äußerung auf. Eine Politikerin der Linken meinte nur "Na, na, na - So nicht!", oder etwas Ähnliches. Das war die einzige Reaktion. Ja, auch ich hielt meinen Mund. Weil ich zutiefst schockiert war und ich mich als Mitarbeiterin nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollte. Das war feige und dafür schäme ich mich auch. Ich war überrumpelt von so viel Hass. Hoffentlich ging es den anderen auch so und es war keine stumme Zustimmung... Ich kenne die Hintergründe dieses Mannes nicht. Aber nichts, wirklich rein gar nichts, rechtfertigt solche Sätze! Es wurde schließlich weiter diskutiert und ein anderer Demonstrant ließ in einem Nebensatz einfließen, dass sie natürlich nicht alle so extreme Ansichten hätten. Ändern solle sich bitte trotzdem etwas. Als sich die Versammlung auflöste, lief ein Abgeordneter der AfD zu dem wütenden Mann und suchte das Gespräch mit ihm. Im Augenwinkel sah ich, wie er verständnisvoll mit dem Kopf nickte. Spätestens jetzt hatte er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine weitere Wählerstimme eingesammelt. Über die anderen Parteien dachte ich: Ok, wieder mal vergeigt.

Vor einer Weile startete ZEIT ONLINE die Initiative "Deutschland spricht" (Ähnliches gab es auch in Österreich und der Schweiz). Denn der Hauptgrund für die aktuell aufgeladene Stimmung, nicht nur hierzulande, ist vor allem die fehlende Kommunikation. Es wird nicht mehr argumentiert und diskutiert, sondern mit Behauptungen und Unterstellungen um sich geworfen. An dem Projekt beteiligten sich insgesamt elf Medienhäuser. Ziel der Kampagne war es, mittels Fragen und Algorithmus Menschen zusammenzubringen, die politisch völlig unterschiedlich denken und möglichst nahe beieinander wohnen. Teilnehmen konnte im Prinzip jede/r. Was dabei raus kam, ist erstaunlich. Denn in der Tat ist es so, dass es die größten Meinungsverschiedenheiten zwischen jungen Frauen und eben jenen weißen, alten Männern gibt. Oftmals ist es vielleicht sogar so, dass sich ein Horst Seehofer und ein eher konservativ eingestellter Migrant politisch näher stehen, als ich und ein muslimischer Flüchtling. Das ändert nichts an meiner Meinung in Sachen Asylpolitik und gibt doch Aufschluss über unser Gesellschaftsbild. In einem zusammenfassenden Dossier in der ZEIT schrieb der Journalist von seinem Selbstexperiment. Er sprach mit einer Vertreterin der Grünen Jugend, einem bekennenden Nationalsozialisten und einem Verschwörungstheoretiker. Und die aufschlussreichste Unterhaltung hatte er... mit dem Nazi. Dieser sei ehrlicherweise am wenigsten aggressiv ihm gegenüber aufgetreten, habe Fragen gestellt und zum Teil auch Verständnis gezeigt. Natürlich müsse man den Flüchtlingen helfen und sie aufnehmen. Nur eben bitte nicht in seiner Gemeinde. Denn dann würde er sie wahrscheinlich mögen, was schließlich sein Weltbild erschüttern würde. Und da sind wir auch schon an dem sprichwörtlich springenden Punkt: Das Fatale, was sowohl von Rechts wie auch von Links (!) passiert - Wir entmenschlichen zunehmend die "Gegenseite". Wir müssen uns aber auf den anderen einlassen, ihm zuhören und zumindest versuchen, seine Beweggründe zu verstehen. Andernfalls droht unsere Gesellschaft auseinanderzureisen. Und dafür können wir nicht allein die Politik verantwortlich machen. Ja, die AfD vergiftet mit ihren Parolen das politische Klima. Die anderen, nennen wir sie mal etablierten Parteien, haben dem nicht viel entgegenzusetzen. Sie versuchen es abwechselnd mit ignorieren, imitieren und attackieren. Nichts hilft. Aber das rechtsextreme Potential war schon vorher da. Jetzt hat es eben ein Ventil gefunden. Und so traurig das ist, wir müssen lernen, damit umzugehen und im besten Fall die Menschen davon überzeugen, dass eine nationalistische Politik in einer globalisierten und vernetzten Welt einfach keinen Platz hat.

Ich gebe zu, das ist verflucht schwer. Und für mich stellt sich am Ende schon auch die Frage: Was bringt es, wenn ich weiß, dass ein Nazi und ich beispielsweise unsere Vorliebe für London teilen, beide gerne italienisch essen und das offene Wasser der Bergwelt vorziehen!? Er bleibt doch trotzdem ein Nazi und an dem Punkt kommen wir einfach nicht zusammen.

Sonntag, 21. Oktober 2018

Wie kann ich auch als Laie produktiv bloggen?

Mein Plan für den Sommer war es eigentlich, regelmäßiger zu bloggen, noch aktueller, pointierter, eventuell auch zielgruppengenauer. Doch seien wir ehrlich: Das Leben und die Welt passieren zu schnell, um es erst in wohlgeformte Worte zu fassen. Außerdem sind da noch meine zwei Jobs, die mich sehr ausfüllen - Sowohl was meine persönliche Zufriedenheit betrifft als auch hinsichtlich des zeitlichen Umfangs. Und dann steht da auch die Frage im Raum, ob überhaupt noch jemand Blogs liest!? Ich habe meine Seite zwar ausschließlich für mich gestartet, um meine Gedanken zu sortieren, aber natürlich freue ich mich, wenn es jemand liest. Alles andere wäre schlicht geheuchelt. Schaut man sich allerdings die Entwicklungen bei Social Media an, so fällt auf, dass die Reichweite stagniert und die Interaktion zwischen Bloggern und ihren Followern immer weiter abnimmt. Es gibt kaum noch Kommentare unter Instagram-Posts oder Blogbeiträgen, außer von nervigen Bots. Wer damit noch nichts zu tun hatte (Du glücklicher Mensch) und für wen der Begriff nur Fragezeichen aufwirft: Bei sogenannten Social Bots handelt es sich um Softwareroboter bzw. -agenten, welche in sozialen Medien auftreten. Sie besitzen die Funktion zu liken, folgen bzw. entfolgen, retweeten und kommentieren. Das ist ärgerlich und ganz gewiss nicht im ursprünglichen Interesse von solchen Netzwerken. Und so schleicht sich der Gedanke ein, dass Bilder im Feed nur noch aus Gewohnheit/ Langeweile/ Pflichtbewusstsein gepostet werden, bei Twitter hauptsächlich retweetet wird und äh, Facebook ist ja eh tot, oder!? Ok, das war viel Gerede um den heißen Brei und warum nun doch wieder mehr als ein Monat seit meinem letzten Beitrag verstrichen sind.
In einer Zeit, in der sich der Social Media-Bereich immer weiter professionalisiert (Hope so!), ist es wichtig, dass man auch seine eigenen Profile mit einer gewissen Disziplin und Kontinuität betreibt. Denn schließlich hast du deinen Blog oder deinen Instagram-Account nicht ohne Grund online gestellt. Wenn wir wollen, dann finden wir für alles Zeit. Zeit hat schließlich niemand, die nimmt man sich - So eine Binsenweisheit. Auch der regelmäßige Gym-Besuch und das Treffen mit Freunden müssen heutzutage organisiert werden. Das ist alles eine Sache der Priorisierung. Zeit ist flexibel und du bist es auch! Hier also ein paar Ideen, wie auch du den inneren Schweinehund überwinden und effektiv bloggen/ posten kannst:

Blocke dir feste Zeiten
Was bei mangelnder Motivation helfen kann sind feste Uploadzeiten. Wenn du immer um die gleiche Zeit ein Foto hoch lädst, ist das zwar noch lange keine Garantie dafür, den lästigen Algorithmus von Instagram auszutricksen, erhöht aber dennoch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand deinen Post sieht. Außerdem schafft Gewohnheit gewissermaßen Geborgenheit. Ähnlich verhält es sich auch mit deinem Blog. Schaufele dir beispielsweise den Dienstagabend frei, um für ein paar Stunden daran zu arbeiten.
In diesem Sinne:

Finde heraus, wann du am effektivsten arbeitest
Ich arbeite am liebsten abends noch eine Stunde nach der Arbeit oder am Wochenende an meinem Blog. In dieser Zeit kann ich meine Gedanken besonders gut sortieren und lasse Vergangenes noch einmal Revue passieren. Ich hatte auch mal versucht, auf Instagram jeden zweiten Tag ein Bild Punkt 19 Uhr hochzuladen. Aber das war mir persönlich dann doch zu viel Druck. Finde also heraus, wann du am effektivsten Bloggen kannst. Vielleicht bist du nach einem langen Arbeitstag total geschlaucht und in deinem Kopf herrscht nur noch gähnende Leere. Dann bietet sich wahrscheinlich das Wochenende an. Oder du bist ein richtiger Morgenmensch und schaffst es, sogar noch morgens eine Stunde vor der Arbeit zu bloggen.
Mache deine Social Media-Präsenz zu einer Priorität
Dir kommt etwas dazwischen und du schiebst deinen nächsten Post immer wieder auf? Hör auf damit! Auch wenn dein Blog oder Feed nur eine Beschäftigung nebenbei ist, kannst du es zu einer Priorität machen. Zweite Wahl sein ist doch doof. Stecke dein Herzblut hinein und mach einfach. Nicht jedes Bild muss perfekt bearbeitet sein und Scheiß auf den ein oder anderen Flüchtigkeitsfehler im Text. Deine Follower wollen sehen, dass dir dein Kanal wichtig ist und sonst nichts. Also: Let's do this!

Organisiere deine Social Media Aktivitäten
Ok, das mag jetzt vielleicht wirklich ein bisschen übertrieben klingen, aber das Effektivste für eine beständige Online-Präsenz ist tatsächlich: Schreibe dir auf, was du bis zu welchem Zeitpunkt geschafft haben willst. Du kannst dafür eine einfache To Do-Liste erstellen oder auch einen Upload-Kalender pflegen. Wenn du den Überblick über deine zu erledigenden Aufgaben hast, kannst du den Arbeitsaufwand viel besser einschätzen und demzufolge auch schneller abarbeiten. Und Häkchen unter To Do-Listen zu setzen ist doch auch super befreiend, oder!?

Ich hoffe, dir helfen die Tipps, um etwas mehr Ordnung ins kreative Chaos zu bekommen. Oder vielleicht inspiriert dich der Post ja auch dazu, selbst online aktiver zu werden. So oder so: Lasst uns alle die positiven Seiten von Social Media besser und effektiver nutzen. Und ich verspreche, ich gebe mein Bestes, um mit guten Beispiel voranzugehen!

Sonntag, 9. September 2018

Das Dickschädel-Syndrom

Ich bin stur, heißt es. „Du willst immer mit dem Kopf durch die Wand“, wirft man mir vor. Manche sagen sogar, ich könnte jedem Stein in Sachen Unnachgiebigkeit Konkurrenz machen. Das war schon immer so, denke ich. Schon als Kind wusste ich genau, was ich wollte und bin nur ungern Kompromisse eingegangen. Tja, und so ist es bis heute geblieben. Habe ich mir erst mal eine Meinung gebildet, ist sie meist unumstößlich.
Mir ist bewusst, dass das nicht die beste Charaktereigenschaft ist. Oft genug bringe ich mein Umfeld mit meinem Dickschädel zur Weißglut. Es muss frustrierend sein, mit jemandem zu diskutieren, der offensichtlich gegen jedes Argument immun zu sein scheint. Aber ich finde, es gibt berechtigte Gründe, beharrlich zu sein:

Gerade in diesen politisch instabilen Zeiten, in denen manch einer seine Ansichten wechselt wie die Unterwäsche und das Wort "Opportunismus" eine ganz neue Bedeutung bekommt, ist es wichtig, eine dezidierte Meinung zu haben.

Manchmal, nicht immer, haben wir Sturköpfe auch einfach mal Recht.

Es ist wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben und daran festzuhalten. Beharrlichkeit hilft, um entgegengebrachte Einwände zu überwinden.

Auch Psychologen sind der Meinung, dass Sturheit notwendig ist, um seine eigene Individualität zu entwickeln und sich seiner Wünsche und Bedürfnisse bewusst zu werden.

Wir Dickschädel treffen sämtliche Entscheidungen selbst. Die Konsequenzen tragen nur wir allein. Wir können niemanden für die Folgen unseres Handelns in die Pflicht nehmen. Ganz nach dem Motto: Wer A sagt, muss auch B sagen.

Für gewöhnlich wird Sturheit sprichwörtlich betrachtet mit einem Esel in Verbindung gebracht, weniger mit einem Menschen. Es heißt, man könne nicht gleichzeitig stur und glücklich sein - Denn Glück sei offen, während Sturheit nur ein anderes Wort für Rechthaberei sei und somit jede Kommunikation erschwere. Ja, der Begriff scheint fast ausschließlich negativ besetzt zu sein: Wer stur ist, ist intolerant, unnachgiebig, trotzig, engstirnig. Zumindest wird mir das häufig unterstellt. Nicht zu vergessen, dass diese Charaktereigenschaft auch ein echter Beziehungskiller ist. Wer will schon eine Frau daten, die dauernd mit dem Kopf durch die Wand will!? Ja, manchmal frage ich mich ernsthaft, ob man mich auch für stur halten würde, wenn ich ein Mann wäre, oder ob ich dann nicht einfach als willensstark gelten würde!? Oh, sieht ganz so aus, als wäre ich schon wieder in die Feminismus-Debatte abgedriftet... Und außerdem: Wo genau liegt denn eigentlich die Grenze zwischen dem gesunden Durchsetzungsvermögen, das wir brauchen, um in einer "Ellenbogengesellschaft" nicht unterzugehen und dem Starrsinn, der einen zum Narzissten macht?

Die Frage ist doch auch: Was erzeugt Sturheit? Ist es Angst, Zorn, Unsicherheit, Misstrauen oder einfach nur das eigene Ego, das irgendwann zu groß wird? Ein Hauptgrund bei mir ist sicher die Angst davor, die Kontrolle zu verlieren. Ich will die Zügel fest in der Hand halten. Aber ab und an, zugegeben manchmal häufiger, wünsche ich mir doch, ich könnte mich auch einfach mal zurücklehnen und andere entscheiden lassen. Zum Beispiel, wohin man in den Urlaub fährt, oder welchen Telefonanbieter man wählt. Dass ich bei Diskussionen nicht immer sage: „Trotzdem…!“ Aber so bin ich nicht. Das liegt nicht in meiner Natur. Was ich dennoch unbedingt ändern möchte: Häufiger Kompromisse eingehen. Und aufgeschlossener gegenüber anderen Meinungen sein.

Ich weiß, ich kann das. Denn wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe…

Sonntag, 19. August 2018

Kein Ort auf dieser Welt ist wie London. Keiner, nirgends.

Der englische Dichter Samuel Johnson brachte es schon im 18. Jahrhundert auf den Punkt: „When a man is tired of London, he is tired of life.“ Und ja, obwohl ich inzwischen schon öfters in der britischen Hauptstadt war und wegen einem Praktikum sogar mal für eine kurze Weile hier gelebt habe, kann ich bestätigen: London ist immer eine Reise wert! Nicht obwohl, sondern gerade wegen dem bevorstehenden Brexit lohnt sich in diesen Tagen ein Trip in die Stadt der Gegensätze. Das durfte ich gerade selbst wieder erfahren und habe meine Lieblings-Spots dort besucht. Deshalb dachte ich, es ist an der Zeit, dir zehn echt gute Gründe aufzuschreiben, warum auch du nach London reisen solltest:
  1. Weil der Euro-Pfund Wechselkurs gerade richtig günstig für uns steht – Für 100 Euro bekommst du aktuell rund 88 Pfund. Also: Shoppen bis zum Abwinken! 
  2. Weil aufgrund des schwachen Pfunds die Briten voraussichtlich weniger reisefreudig sein und daher die Flugpreise dorthin mittelfristig steigen werden. Deshalb: Schnell zuschlagen! Du kommst eigentlich bequem von so ziemlich allen deutschen Städten mit dem Flieger in weniger als zwei Stunden nach London. Es gibt zwar auch den Eurostar, sodass man bequem mit der Bahn fahren kann, aber das habe ich noch nicht ausgetestet. Sollte ich vielleicht mal.
  3. Weil es bei Schönwetter nichts Besseres gibt, als sich in einen der zahlreichen Parks zu fläzen. London ist nämlich grüner, als man vielleicht denkt. Meine Highlights: Der Regent’s Park in Richtung Camden Town und der Holland Park nahe Notting Hill (Da kannst du gleich auch den beliebten Wochenmarkt und DIE blaue Tür besuchen.) Aber Achtung: Du musst schnell sein, wenn du noch einen Platz bekommen willst – Vor allem am Wochenende tummeln sich die Leute auf allen denkbaren Grünflächen. 
  4. Weil Einkaufen nirgendwo so viel Spaß macht wie hier. Egal welcher Stil, welche Preiskategorie, in London findet sich alles: Von schicken Boutiquen, über große Kaufhäuser, bis zu kleinen Secondhandläden und reizenden Trödelmärkten. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Vor allem das majestätisch anmutende Kaufhaus Selfridges und die vielen kleinen Läden im Covent Garden sollte jeder Shopaholic auf seiner Bucketlist haben. Übergepäck ist also vorprogrammiert. 
  5. Weil Berlin schon bunt ist, aber der Begriff „Melting Pot“ ("Schmelztiegel") für London erfunden wurde. Es ist nur ein kurzer Weg vom asiatisch angehauchten Soho bis nach Brixton, wo man sich wie im Herzen Afrikas fühlt. Man kann ohne Übertreibung sagen, London ist eine Weltreise im Minutentakt. Rund 160 Nationen leben neben- und miteinander in Europas „Multikulti-Hauptstadt“. 
  6. Weil es in London vor Kreavitität nur so sprudelt. Schon immer hat diese Stadt kreative Köpfe magisch angezogen. Von William Shakespeare über die Beatles bis hin zu David Bowie – die Größen der Künstlerszene wurden hier inspiriert. Und auch endlose Reihen an Büchern spielen in den Straßen von London, darunter Sherlock Holmes, Harry Potter und Mary Poppins. Auch ich hole mir hier gern Inspiration. 
  7. Weil hier das Leben tobt. Nichts ist britischer als ein (manchmal auch zwei) Pints in einem Pub zu trinken und dabei bester Livemusik zu lauschen. Wer es etwas gediegener mag, schaut sich ein fesselndes Musical im West End an oder geht zum Leicester Square, wo sich Hollywoodgrößen in den Kinohochburgen die Klinke in die Hand geben. Eins ist klar: Die Nächte in London sind lang! 
  8. Weil die britische Hauptstadt in unvergleichlicher Weise Moderne und Geschichte vereint. Ein Hauptgrund dafür sind sicherlich die Royals, die einen enorm hohen Stellenwert in der britischen Gesellschaft und überall auf der Welt genießen. An jeder Ecke stößt man auf königliche Spuren, sei es die Westminister Abbey, wo seit dem 11. Jahrhundert die Monarchen gekrönt werden, oder in den Kensington Gardens mit seinem wunderschönen Palast – Dem Sitz der Prinzen William und Harry mit ihren Familien. 
  9. Weil Städte am Wasser einfach toll sind und einen erden. Berlin, Wien, Paris -> Alle meine Lieblingsstädte haben große Flüsse. In London gibt es unglaublich viele Binnengewässer – ob die Themse, die geschmeidig durch die Stadt fließt, oder die vielen kleinen Seen, die so ziemlich jeder Park hat und viele Wasservögel anzieht. 
  10. Weil hier so großartige Menschen leben. Müsste ich die Londoner und allgemein die Briten beschreiben, würde ich sagen: Sie sind unglaublich höflich, humorvoll und sehr hilfsbereit. Das ist wirklich nicht typisch oder selbstverständlich für eine Weltmetropole. 
Oh ja, ich liebe London, ob bei Sonne oder Regen, in Begleitung und alleine. London muss man erleben, London muss man fühlen – und dann verliebt man sich ganz automatisch. Und obwohl ich gerade erst wieder gelandet bin, könnte ich schon wieder in den nächsten Flieger steigen.
Jetzt wünsche ich auch dir viel Spaß bei deinem nächsten City-Trip in Großbritanniens Hauptstadt.

Hintergrund: Der Brexit ist für den 29. März 2019 vorgesehen. Ob nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs und Nordirlands aus der Europäischen Union Reisepass und Visum für EU-Bürger nötig sein werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Es sollte sich aber nicht allzu viel ändern, da das Vereinigte Königreich schon jetzt kein Mitglied im Schengen-Raum ist. Neuerungen für den Tourismus sind im Mobilfunkbereich zu erwarten. Seitdem die teuren Roaming-Gebühren abgeschafft wurden, ist Surfen und Telefonieren im EU-Ausland zu Inlandstarifen möglich. Bislang ist jedoch nicht sicher, ob die Mobilfunkpreise nach dem EU-Austritt weiterhin auf einem günstigen Niveau bleiben. 

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Sonntag, 8. Juli 2018

Don't tell me how to be a woman!


"Alle Lesben haben Bürstenhaarschnitt, tragen Blaumann und trainieren die regionale Frauen-Fußballmannschaft." Ja, ja, willkommen im Jahr 1980. Oh, wie ich diese Vorurteile hasse! Als hätte es Anne Will, Jodie Foster (Ist sie's, oder ist sie's nicht?) und natürlich Cara Delevingne nie gegeben. Das Phänomen nennt sich "feminine Lesben". Oder vielleicht anders, zugespitzt formuliert: Eine Minderheit in der Minderheit. 
Es stimmt ja: In der Vergangenheit sind homosexuelle Frauen eher burschikos aufgetreten - So konnte man sich innerhalb der Szene leichter erkennen. Außerdem wollte man den Männern signalisieren: Ich gehöre nicht in euer Beuteschema. Doch wie in jeder Community hat sich auch hier in den vergangenen Jahren ein enormer Wandel vollzogen. Natürlich gibt es Lesben, die sich für Mode interessieren und ihre Haare lang tragen. Alles andere wäre doch Bullshit! Umso mehr verwundert und erschrickt es mich, dass diese Frauen in der Szene noch immer um Akzeptanz kämpfen müssen. Nicht selten wird da gemutmaßt: "Die ist doch gar nicht RICHTIG lesbisch!"
Für die sogenannten Femmes, also feminine Lesben, ist es nach wie vor verdammt schwer, ernst genommen zu werden und potentielle Flirts kennenzulernen. Da gibt es zu oft schiefe Blicke und dämliche Kommentare. Und so traurig es ist: Diese unsichtbare Mauer zwischen femininen und maskulinen Lesben existiert weiterhin - Quasi Femme gegen Butch (das englische Wort für „Kerl“). Dabei geht es doch überhaupt nicht darum, dass einige Schmink-Tussis jetzt eben auch lesbisch sind. Sondern darum, dass man in eine Schublade gesteckt wird, aus der man scheinbar nicht wieder raus kommt. Toleranz ist verdammt noch mal keine Einbahnstraße! Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass damit eine Kampfansage verbunden ist. Femmes sind demnach nicht nur nicht angepasst, sie wollen dadurch auch eine Gruppe in ihrer Community emanzipieren.

Nicht nur in der Szene gibt es diese Kluft, auch im allgemeinen Bewusstsein kommen homosexuelle Frauen, die ihre Weiblichkeit betonen, scheinbar nicht vor. Außer in Filmen vielleicht. Man, waren die Mädels in "The L Word" heiß! Oder, wie im Fall vom Cara Delevingne, wird Personen des öffentlichen Lebens unterstellt, sie würden diesen "Lifestyle nur deshalb pflegen", um Aufmerksamkeit zu bekommen. Oh man... Als wäre es auch heutzutage nicht immer noch schwer genug, sich zu Outen.

Daher hat es mich total gefreut, als vor kurzem eine ehemalige Kommilitonin auf mich zukam, mir von ihrer Podcast-Idee berichtet hat und fragte, ob ich das Thema nicht auch auf meinem Blog aufgreifen möchte. Ricarda und ihre Freundin Maike Johanna Reuter wollen auf humorvolle und keinesfalls belehrende Art und Weise über ihre eigenen Erfahrungen als homo- beziehungsweise in Maikes Fall – bisexuelle Frau sprechen. Quasi einer der ersten Lesben-Podcasts auf dem deutschen Markt. Auch sie verstehen sich nicht als "Klischee-Lesben" und stoßen deshalb leider hin und wieder auf Unverständnis. In ihrem Podcast "Busenfreundin“ wollen sie sich diesem Thema widmen. Start ist heute, am 8. Juli, zunächst auf iTunes (Suche: Busenfreundin), ab kommender Woche auch auf dem Audiostreaming-Dienst Spotify. Ich durfte vorab schon mal reinhören und bin begeistert. Meine hohen Erwartungen wurden um Längen übertroffen. Es geht hier eben nicht einfach nur um die in meinen Augen unnötige Definition der eigenen sexuellen Orientierung, sondern um Anerkennung und Respekt. Die zwei bringen das einfach wunderbar auf den Punkt. Vielen Dank für euren wichtigen Beitrag!
Für Maike kommt außerdem hinzu, dass sie sich nun im Podcast öffentlich als bisexuell outet. Seit letztem Jahr spielt sie in der Vorabend-Daily Soap (Krass, die gibt es tatsächlich noch!?) "Alles was zählt" eine Hauptrolle. Als Ricarda mir diesen Hintergrund erzählte, habe ich mich sofort an den offenen Brief von Jochen Schropp im "Stern" von vor einigen Wochen erinnert. Er schreibt darin, dass er sich bereits vor vier Jahren outen wollte, ihn aber seine damalige Agentur davon abgeraten hat. Als schwuler Schauspieler würde er wohl nicht mehr so viele Angebote erhalten - Schließlich sind seine Paraderollen der Schwiegermutter-Typ und Herzensbrecher. Das, so meinte die Agentur, würde ihm dann keiner mehr abkaufen. Schropp hat sich davon verunsichern lassen und sich gegen das Outing entschieden. Bis jetzt. Weil: "Wir bei dem Thema nur weiter kommen, wenn Leute den Mund aufmachen. Und jetzt bin ich es eben." Die Reaktionen waren durchweg positiv. Wie sich das Ganze auf seine Karriere auswirkt, wird sich noch zeigen. Nun geht auch Maike diesen Schritt. Als Femme. Das ist wundervoll! Bitte mehr davon!

Falls übrigens jemand wissen will, ob ich denn auch Lesbe bin: I don't give a fuck! Love is love <3

Werbung, da Markennennung.

Sonntag, 10. Juni 2018

X-mal anders!?

Dem Namen meines Blogs folgend wollte ich von Anfang nicht, dass das ein Beautyblog wird. In der Google Beschreibung habe ich es so zusammengefasst: Ein "real" Lifestyle-Blog mit Hang zu politischen Themen. Und genau das ist mein Anspruch. Umso mehr hat es mich überrascht, als ich vor einer Weile folgende Rückmeldung bekam: "Mmh, Christiane, weißt du, eigentlich hättest du das anders aufziehen sollen. Wieso schreibst du nicht lieber über dein Leben mit Turner-Syndrom?"

"X-Mal anders. Ullrich-Turner-Syndrom! Ja, und?!"


Das machte mich dann doch stutzig. Bin ich die Sache tatsächlich falsch angegangen? Soll ich über meine Krankheit schreiben? Es ist nicht so, dass es mir unangenehm ist, das Thema öffentlich zu machen. Ich habe schlicht und einfach überhaupt nicht daran gedacht. Es wäre mir wirklich nie in den Sinn gekommen. Mein Leben ist so normal und ohne jegliche Einschränkung - Zumindest empfinde ich das so. Aber vielleicht ist es eben doch wichtig. Um über die Krankheit zu informieren. Und um zu zeigen, wie man damit leben kann. Mit Sicherheit hat mich die Krankheit geprägt und neben vielen anderen Faktoren zu der Person gemacht, die ich heute bin. Ich habe das Ullrich-Turner-Syndrom (UTS).
Schlägt man das Krankheitsbild im Gesundheits-Brockhaus nach, so liest man teilweise erschreckende Symptome wie „Mongolenfalte“, „Zwergenwuchs“ und „nur im Erscheinungsbild weiblich“. Formulierungen, die absolut diskriminierend und in der Realität falsch oder zumindest unzureichend sind.

ULLRICH-TURNER-SYNDROM - Was ist das eigentlich?

Der genetische Plan sieht wie folgt aus: Der Mensch hat insgesamt 46 Chromosomen. Männer haben die Geschlechtschromosomen XY, Frauen dagegen XX. Bei einem von 2.500 geborenen Mädchen aber kommt es anders. Mädchen mit dem sogenannten Ullrich-Turner-Syndrom haben nur ein (funktionsfähiges) X - Es fehlt also ein Chromosom. Mittlerweile gibt es medizinische Tests, wie die Nackenfaltenmessung, bei denen man das UTS bereits in der Schwangerschaft feststellen kann. Erhalten werdende Eltern diese Diagnose, stürzt es sie oft in Ratlosigkeit. Eine richtige Behinderung? Ein Abtreibungsgrund? Die Symptome sind sehr unterschiedlich. Bestimmte körperliche Merkmale, hormonelle Störungen, manchmal auch Organschäden können mehr oder weniger ausgeprägt vorkommen. Zwei Symptome aber sind offensichtlich: Die Frauen können keine Kinder kriegen, da die Ovarien verkümmert sind, und sie bleiben klein. Die 1,50 Meter erreichen nur die wenigsten Betroffenen.

Leben mit UTS- Wie war bzw. ist das für mich?

Mit ungefähr drei Jahren wurde bei mir das UTS diagnostiziert. Meine Mama wusste von Anfang an, dass bei mir etwas nicht stimmt. Ich war ständig krank, habe mich von Lungenentzündung zur Angina geschleppt. Außerdem trug ich als Kleinkind immer noch meine Babysachen. Trotzdem sagte jeder Arzt nur "Ein kleiner Spätentwickler. Die wird schon noch." Irgendwann wusste mein damaliger Kinderarzt sich und vor allem uns aber nicht mehr zu helfen und sagte zu meinen Eltern "Packen sie die Kleine ein und gehen sie mit ihr rüber in den Westen. Ich kann nichts mehr für Sie tun." Schließlich wurde dann nach einigen Untersuchungen und Gentests endlich das Turner-Syndrom bei mir festgestellt. Relativ schnell haben sich meine Eltern für die Hormonbehandlung mit Granditropin entschieden. Ich war damals glaube ich knapp fünf Jahre alt und habe auch recht zügig gelernt, mich selbstständig zu spritzen. Meine Spielkollegen fanden das total "cool". Und insofern war es wohl die richtige Entscheidung, da es mir geholfen hat, überhaupt erst mal ein stabiles Immunsystem aufzubauen. Einmal pro Quartal musste ich mich in der Endokrinologie in Jena vorstellen. Hier wurde mir Blut abgenommen, einmal jährlich gab es einen großen Glukosetest und es wurde geschaut, wie ich mich entwickele. Mit 17 Jahren waren die Wachstumsfugen dann dicht und die Therapie somit beendet. Zusätzlich wurde mit 12 Jahren die Östrogentherapie mit Cycloprogynova eingeleitet. Die Behandlung war ein voller Erfolg: Ganz knappe 1 1/2 Meter bin ich groß geworden - Man kann nicht sagen, wie viel es ohne Therapie geworden wäre - Und bis auf einige wenige organische Sachen bin ich topfit.
Ich würde sagen, ich war und bin (äußerlich) kein typisches Turner-Mädchen - Außer dass ich eben immer etwas kleiner war als meine Klassenkameraden. Obwohl ich ein Jahr älter war als sie, da ich später eingeschult wurde. Es hat etwas gedauert, bis ich verstanden habe, dass der Spitzname "Mini Cooper" in der Schule wohl nicht im positiven Sinne an den Mittelklassewagen angelehnt war...
Auch wenn die eigentliche Therapie beendet ist, so gibt es natürlich immer wieder mögliche Begleiterscheinungen. 2010 musste bei mir beispielsweise ein schnell wachsendes Fibrom an der rechten Schulter operativ entfernt werden und 2014 wurde mittels einer Cyberknife-Bestrahlung ein Meningeom an den Hirnhäuten behandelt - Beide zum Glück gutartig. Es ist strittig, ob es einen direkten Zusammenhang mit dem UTS gibt. Natürlich kam dann in meiner Familie die Frage auf, ob die Entscheidung, die Hormontherapie zu machen, doch die falsche war. Auch wenn die Ärzte heutzutage die Behandlung mit den Wachstumshormonen nicht mehr als zwingend notwendig erachten, so war sie für meine Entwicklung unabdingbar. Es muss für meine Eltern unfassbar schwer gewesen sein, das für ihr Kind zu entscheiden. Zumal zur damaligen Zeit einfach viele Dinge auch nicht bekannt waren. Was etwas schade ist: Als ich nach der Behandlung in der Kinderklinik schließlich in "die Welt entlassen" wurde, standen wir etwas alleine da. Klar, ich gehe weiterhin zur Gynäkologin und zum Kardiologen, aber mein Eindruck ist, dass immer noch zu wenige Ärzte in der Materie stecken. Mir fehlt jemand, der das Gesamtbild im Auge hat.

keepcalmitsjustamissingchromosomeMein Rat an Eltern, die diese Diagnose für ihre Tochter erhalten? Gar keiner! Denn es wäre anmaßend. Jeder Fall ist unterschiedlich. Und so würde ich werdende Eltern nie verurteilen, die sich das nicht zutrauen oder meinen, ihrem Kind dieses Leiden nicht zumuten zu können. Den Eltern, die sich für ein Leben mit dem UTS entscheiden, kann ich aber nur empfehlen (Das gilt natürlich für alle Kinder): Gebt eurer Tochter Selbstvertrauen mit auf den Weg!
Was genau die Ursache für die Genmutation ist, ist nicht klar. Letztlich ist es ja auch egal, ändern kann man es eh nicht. Und aus mir ist auch mit dem Turner-Syndrom "etwas" geworden. Ich habe Politik studiert, anschließend im Bundestag in verschiedenen Abgeordnetenbüros gearbeitet und bin inzwischen Referentin im Thüringer Landtag. Da ich schon sehr früh wusste, dass ich mein persönliches Glück nicht in Kind und Kegel finden werde, konzentriere ich mich voll und ganz auf meine "Karriere". Und ich kann sagen: Das Turner-Syndrom gehört zu meinem Leben, aber es bestimmt ganz gewiss nicht meinen Alltag.

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Sonntag, 6. Mai 2018

Night, night!

Ich bin ein Morgenmensch - Für mich fängt der frühe Vogel tatsächlich den Wurm. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass sich das erst seit meinem Eintritt ins Berufsleben so ergeben hat. Wer kennt das nicht noch aus der Studienzeit: Nachts um halb drei noch schnell eine Hausarbeit fertig schreiben und dann bis 11 Uhr am nächsten Morgen schlafen!? Inzwischen ist es bei mir sogar so, dass ich, egal wann ich ins Bett gehe, spätestens um 8 Uhr wach bin. Irgendwie logisch, wenn unter der Woche der Wecker um 6:30 Uhr klingelt.
Lange Zeit war ich mit einem herrlichen, entspannten Schlaf gesegnet. Aber wenn man älter wird, nehmen auch die alltäglichen Probleme zu (So von wegen: "Kleine Kinder, kleine Sorgen", und so.) Und so brauche ich abends eine ganze Weile, um abschalten zu können. Daher weiß ich gar nicht, ob ich die geeignete Person bin, um Tipps für eine perfekte Abendroutine zu geben. Aber wir können uns doch vielleicht gegenseitig austauschen!? Was machst du, um deinen Tag entspannt ausklingen zu lassen?

Hier nun aber erst mal ein Abriss meiner "gewöhnlichen" Abendroutine unter der Woche: Ich bin meist so gegen 18 Uhr zu Hause. Die Tasche liebevoll in die Ecke gepfeffert, ziehe ich mir gleich die Wohlfühlklamotten an. Je nach Hungergefühl, lege ich dann mit dem "Kochen" los. Wenn ich ehrlich bin, langweilt mich kochen zu Tode. Ich sehe darin keine sinnvolle oder beruhigende Beschäftigung. Außerdem möchte ich meinen Hunger möglichst SOFORT stillen und nicht erst Stunden mit schnippeln und rühren verbringen. Deshalb ernähre ich mich überwiegend von Tiefkühlkost. Also keine Pizza oder Aufläufe oder so ein Mist, sondern Gemüse und Fisch. Außerdem mag ich die Ein-Personen-Gerichte von Frosta total gerne. Das ist schnell und laut Studien oft frischer, als es an der Theke im Supermarkt zu kaufen. Irgendwie dachte ich aber, mit 30 gehört kochen doch dazu. (Stimmt das??) Deshalb probiere ich seit Neuestem die Koch-Box von "Hello Fresh" aus. Sicher hast du schon davon gehört: Hello Fresh liefert die vorher individuell von dir ausgewählten Rezepte samt den dazugehörigen Lebensmitteln zu dir nach Hause. Von diesen Koch- /Liefer-Abos gibt es ja mittlerweile eine ganze Reihe. Mich hat bei diesem vor allem die Flexibilität und Zuverlässigkeit überzeugt. Man wählt zwischen 3-, 4-, oder 5- Gerichten pro Woche aus und gibt die Personenanzahl (2, 3, oder 4) an. Außerdem bietet Hello Fresh auch die Veggie-Variante an. Wenn du verreist bist, kannst du ganz bequem eine Woche pausieren. Echt ein cooles Konzept. Probiere es doch einfach mal aus. Mit dem Code "CHRABI" sparst du zudem 20€ auf deine erste Box. Übrigens kannst du das Abo auch jederzeit wieder kündigen.
Wie schon in meiner Morgenroutine geschrieben, esse ich ungern alleine. Deshalb laufen währenddessen meist die "Heute"-Nachrichten. Da meine Wohnung recht klein ist, fällt eine Chaos-Bude noch schneller auf - Das nervt mich! Deshalb versuche ich, alles gleich aufzuwaschen und wieder wegzuräumen. Danach beantworte ich meist noch ein paar E-Mails oder lese etwas. Wie, glaube ich, auch schon mal erwähnt, mache ich beim "Tagesschau"-Gucken mein kleines Abend-Workout. Das ist ziemlich identisch zu den Übungen am Morgen. Also Sit-ups, Liegestütze und Squats. Dann beginnt der gemütliche Teil des Abends.
Ich schlafe leider stets und ständig auf der Couch vor dem Fernseher ein. Das ist weder sinnvoll noch gesund, ich weiß. Da kann das Netflix-Programm oder mein "Book of the Week" noch so gut sein - Zack, fallen mir die Äuglein zu. Das liegt sicher auch an der sehr heimeligen Atmosphäre in meiner Wohnung. Bei mir brennen immer mindestens fünf Kerzen gleichzeitig und verbreiten zusammen mit diversen Raumdüften die absurdesten Gerüche: Von "Clean Cotton", über "Fresh Cut Roses" bis hin zu "Vanilla Cupcake". Der beruhigende Lavendel-Tee, den ich mir nach dem Abendessen gebrüht habe, ist nur halb ausgetrunken und inzwischen abgekühlt. Gegen 22 Uhr mache ich mich dann doch mal ins Bad, um den ganzen Kladderadatsch vom Tag abzuwaschen. Das dauert dann schon mal gut und gerne 30 Minuten beziehungsweise bis das Wattepad "weiß" bleibt. Aber was das Abschminken angeht, bin ich die absolute Streberin. Da kann ich noch so müde oder in den sehr seltenen Fällen betrunken sein, ich ziehe jeden einzelnen Schritt durch. Geduscht wird ebenfalls am Abend. Ich finde den Gedanken, "frisch" ins Bett zu steigen, einfach besser und außerdem spare ich mir so Zeit in der Früh. Wenn die Prozedur dann beendet ist, lege ich mir nach einem kurzen Blick in die Wetter-App meine Kleidung für den nächsten Tag zurecht. Mittlerweile bin ich natürlich wieder hellwach - An Schlaf ist nicht zu denken. Also schaue ich noch ein- zwei YouTube Videos, in der Hoffnung, dass sie mich so arg langweilen, dass ich wieder einschlafe. Seit Neuestem habe ich auch einen fancy Fitness-Tracker/ eine Smart Watch. (Ja, ich weiß, ich bin spät dran.) Kurzer Check, ob ich meine Tagesziele erreicht habe und so um 23:30 Uhr stelle ich das Ding in den Schlafmodus. Und das war's dann auch - An einem guten Abend, schlafe ich ca. 15 Minuten später ein. Meist schwirren mir aber noch 1.000 Gedanken durch den Kopf, sodass es schon weit nach Mitternacht ist. Wie du siehst, eine ziemlich gewöhnliche Abendroutine.
Ok, und jetzt freue ich mich sehr auf deine Tipps und Tricks: Wie sieht deine "Normal-Night-Routine" für einen entspannten Abend aus?


Meine Favoriten für einen entspannten Abend:

Gesichtspflege:


Duftkerzen:

  • Am liebsten die von Jo Malone, sind aber leider so richtig teuer...

Bücher, die ich gerade lese:


YouTube-Channels:


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Montag, 2. April 2018

Bloggerlife vs. Influencer-Bashing

Influencer, Instagrammer, Content Creator, Blogger, YouTuber... Viele Namen für schlicht eine Berufsbezeichnung: Meinungsführer. Oder einfacher gesprochen: Verkäufer. Denn bei aller Sympathie für die ein oder andere Social Media-Person, letztlich geht es immer ums Verkaufen. Darum, einer bestimmten Zielgruppe ein gewisses Produkt ans Herz zu legen. Das ist natürlich vollkommen legitim. Schon immer haben die Menschen versucht, ihr Schaffen zu vermarkten und haben sich dabei der modernen Technik bedient. Als der Buchdruck erfunden war und Zeitschriften in allen Gesellschaftsschichten konsumiert wurden, waren es Werbeanzeigen. Später, als Hörfunk und Fernsehen die Wohnzimmer eroberten, kamen die TV-Spots dazu. Und nun, da Social Media nicht mehr wegzudenken ist, findet die Vermarktung eben da statt. Ich würde sagen, das ist der Lauf der Zeit. Da ist es nur folgerichtig, dass die Firmen auf den Zug aufspringen. Problematisch wird es dann, wenn gar nicht erkennbar ist, was genau (bezahlte) Werbung ist und was eben ein Foto aus dem realen Leben - Versteckte Produktplatzierung sozusagen. Aber dafür gibt es seit vielen Jahren zahlreiche Vorgaben, welche die Kennzeichnungspflicht von Werbung regeln - Allen voran das Telemediengesetz. Wer sich nicht daran hält, kann rechtlich abgemahnt werden.
In den letzten paar Wochen wurde diese Thematik verstärkt von den seriösen Printmedien aufgegriffen. Besonders zwei Artikel waren es, die die Branche aufgeschreckt haben. Da war zum einen der Beitrag in der vorletzten Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT (22. März, No. 13/2018). Der zugegeben recht einfallsreiche Titel lautet "Die Einfluss-Reichen".
Nachdem anfangs die reine Faktenlage dargestellt wird, so z. Bsp. dass Unternehmen im letzten Jahr rund 2,2 Milliarden Euro für Instagram-Werbung ausgaben, werden die Geschichten von zwei Influencern näher beleuchtet. Und ehrlich gesagt kann man sich beim Lesen des Eindrucks nicht erwehren, dass eine ordentliche Portion Häme und vielleicht auch ein Funken Neid auf Seiten der Journalist_Innen während der Recherche mitschwang. Irgendwie schon cool, wenn man dafür bezahlt wird, in New York Urlaub zu machen und davon Fotos bei Instagram zu posten. So zumindest mutet der noch krassere Artikel zu dem Thema in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung letzte Woche mit der ketzerischen Überschrift "Wenn Narzissten Kinder kriegen" an. Darin bewertet und verurteilt die Autorin die Vorgehensweise der frischgebackenen Mama und Mode-/ Lifestyle-Bloggerin Chiara Ferragni. Ihr wird in dem Beitrag quasi unterstellt, nur schwanger geworden zu sein, um ein neues Kapitel von sich auf Instagram präsentieren zu können. Natürlich kann man die Art und Weise, wie Chiara ihre Schwangerschaft und insbesondere die Geburt ihres Sohnes in den Social Media mit ihren Followern teilt, kritisieren. Aber von unseren Qualitätsmedien erwarte ich dabei doch ehrlich gesagt etwas mehr konstruktive Kritik. Nicht diese einseitige, oberflächliche und in Teilen hetzerische Berichterstattung. Was man bei der Betrachtung bedenken sollte: Chiara Ferragni war 2009 eine der ersten Modebloggerinnen überhaupt. Inzwischen hat sich die gebürtige Italienerin ein beachtliches Imperium mit zahlreichen Mitarbeiter_Innen aufgebaut. Der 30-jährigen Business-Frau wird in dem FAZ-Artikel tatsächlich das Mutterglück abgesprochen. Geht's noch!?
Und überhaupt, das Thema mal weiter gefasst: Die meisten Influencer sind Frauen. Anstatt sich darüber zu freuen, dass in der ansonsten von Männern dominierten Hightech-Welt junge Frauen selbstständig ein Geschäft aufgebaut haben, wird sich über sie lustig gemacht. Da ist die Rede vom zwanghaften Drang nach Selbstdarstellung und "Instagram-Husbands" (Viele Influencerinnen lassen sich für das Betreiben ihrer Social Media-Kanäle von den Partnern begleiten und fotografieren). Geht das Problem in Wahrheit also viel tiefer? Sprechen wir hier vielleicht über Sexismus, der auch im Zeitalter der Digitalisierung fortlebt? Endlich gibt es mal eine Sparte in der Werbe-Branche, in der Frauen überproportional vertreten und erfolgreich sind, und schon muss man sie nicht ernst nehmen!? Genau das ist der Punkt. Es geht nicht darum, ob junge Mädchen zum Kauf eines neuen Lippenstifts manipuliert werden. Sondern darum, dass man den Frauen (und Männern) ihren Erfolg ganz offensichtlich nicht gönnt.
Um eines klar zu stellen: Mir geht es hier nicht darum, eine Lanze für Influencer Marketing zu brechen. Dazu habe ich auch gar keinen Grund. Mein Blog ist aus purer Freude am Schreiben und Neugierde an den digitalen Medien entstanden. Die zwei "Kooperationsanfragen", die mich bisher erreichten, habe ich ausgeschlagen. Zum einen, da sie unseriös waren, zum anderen, weil ich bereits einen Job habe und diesen Blog hier ungefiltert fortführen möchte. Aber das stetig wachsende Bashing macht mich einfach nur wütend. Ja, diese Leute werden dafür bezahlt, dass sie auf Instagram einen Detox-Tee oder die neueste Augencreme in die Kamera halten. Na und!? Es ist doch immer noch die freie Entscheidung eines jeden einzelnen, ob man die Sachen aufgrund der Empfehlung nun kauft oder nicht. Was selbstverständlich gar nich geht, sind Fälle wie der jüngst bekannt gewordene: Eine britische YouTuberin fragte dreist in einem Hotel in Dublin an, ob sie und ihr Freund freie Kost und Logis im Gegenzug für eine nette Bewertung bei Instagram bekommen - Und erhält dafür richtigerweise eine heftige Absage vom Hotelbesitzer. Ja, der Markt an Influencern ist gesättigt. Es heißt, ab 5.000 Followern auf Instagram kann man mittlerweile damit Geld verdienen. Dass viele Jugendliche als Berufswunsch YouTuber oder Instagrammer angeben, macht die Sache nicht unbedingt besser. Denn wie in besagtem ZEIT-Artikel auch geschrieben wird: Was da aktuell passiert, kann nicht ewig so weiter gehen. Auf Dauer wird sich eine gewisse Anzahl an Influencern etablieren und durchsetzen. Mit viel Fleiß und harter Arbeit. Der Rest wird wohl wieder einem "normalen" Beruf nachgehen müssen. Also: Keep cool!
Und auch wenn ich den Satz von ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, er wolle sich manchmal vor einem deutschen Zeitungskiosk ehrfürchtig niederknien - So gut sei die hiesige Medienlandschaft, nach wie vor unterschreiben würde, so kann ich in diesem speziellen Fall den verantwortlichen Journalist_Innen nur sagen: Schämt euch!
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Sonntag, 4. März 2018

Morgenstund hat Gold im Mund... Oder so!?

Mit meinem Umzug zum Jahreswechsel hat sich auch eine neue Morgenroutine bei mir eingeschlichen. Allein schon dadurch, dass ich jetzt nicht mehr in einer WG lebe, sondern meine eigene Wohnung habe, sind einige neue Rituale entstanden.

An einem ganz normalen Wochentag klingelt mein Wecker um 06:30 Uhr. Im Idealfall bin ich ungefähr fünf Minuten vor dem nervigen Klingelton (Warum zur Hölle kann Apple nicht mal halbwegs erträgliche Klingeltöne uploaden??) wach - Aber wir sprechen ja hier über das wirkliche Leben. Ich werde also meist aus dem Tiefschlaf gerissen. Die verklebten Augen reibend quäle ich mich aus dem Bett, da ich es am Vorabend mal wieder nicht geschafft habe, vor 23:30 Uhr ins Bett zu gehen. Ich schlürfe rüber zu meiner klitzekleinen Kochnische und setze Kaffee an. Nebenbei mache ich mir ein Glas warmes Wasser mit einer frischen Zitronenscheibe zurecht -> Vitamin C Boost am Morgen! Danach geht's ins Bad, erst mal Gesicht waschen. Als kleiner Beauty-Junkie habe ich so einige Produkte ausprobiert. Was sich letztlich in meiner Routine festgesetzt hat und worauf ich nicht mehr verzichten kann, liste ich unten auf.
Dann starte ich mein morgendliches Mini-Workout (Davon habe ich schon mal in einem meiner vorherigen Posts berichtet): Sit-ups, Liegestütze und Squats. In der Zwischenzeit ist das schwarze Gold fertig durchgelaufen und ich schlürfe gierig die ersten Schlucke. Dabei mische ich mir mein Frühstück zusammen. Meist besteht das aus Granola, Haferflocken und sogenannten Superfoods. Dazu gibt es ein Glas Saft. Du siehst, meine tägliche Flüssigkeitszufuhr habe ich quasi schon am Morgen abgedeckt ;-) Weil ich es hasse, alleine zu essen, nehme ich mir ein Buch dazu oder schaue dabei YouTube-Videos. Wenn ich das nächste Mal auf die Uhr schaue, lasse ich erschrocken den Löffel fallen und beeile mich ins Bad zu kommen. Ich bin ehrlich: So 45 Minuten verbringe ich schon damit, mich zurecht zu machen. Aber ich finde, jeder Tag ist es wert, dass man ihm von seiner besten Seite gegenübertritt. Die Kleidung für den Tag, oder Instagram-like OOTD ("Outfit of the Day"), habe ich in der Regel schon am Vorabend zurechtgelegt. Gegen 08:30 Uhr verlasse ich dann die Wohnung, nicht ohne noch zweimal zu prüfen, ob Glätteisen und Duftkerze aus sind. Wenn ich eines an Berlin nicht vermisse, dann ist es das S-Bahn fahren, vor allem am Morgen. Da ich recht zentral wohne, laufe ich die ca. 1,5 Kilometer zum Landtag. Diese 20 Minuten Fußmarsch sind mein absolutes Highlight des Tages. Ich setze die Kopfhörer auf und genieße eine Folge Podcast. Zurzeit stehe ich total auf den Kanal von Laura Marina Seiler - "Happy, holy & confident". Mit ihren tollen, wertvollen Tipps für ein gutes Leben weiß ich, dass ich den Tag meistern werde. Dazu die Umgebung, die mir während meines Spaziergangs geschenkt wird, einfach traumhaft. Tja, und dann bin ich auch schon im Büro.


Sicher ist nicht jeder Tag super, manchmal hat man Stress auf Arbeit oder Ärger mit den Kollegen. Aber ich kann dir mit Gewissheit sagen, dass mit einer stetigen Routine vieles leichter ist. Das muss natürlich nicht mein Morgenprogramm sein. Setz dich einfach mal hin und überlege dir, was für dich ein guter Start in den Tag bedeutet - Auch wenn du dafür vielleicht eine halbe Stunde eher aufstehen musst. Es lohnt sich! Dann hat sicher auch für dich die Morgenstund bald Gold im Mund.
Um mit den Worten von Laura Seiler abzuschließen: Rock on & Namasté :-)

Meine Favoriten für einen perfekten Morgen:

Gesichtspflege:

  • Chanel - Lait Confort / Creamy Cleansing Milk
  • Chanel - Lotion Confort / Gesichtswasser
  • La Roche-Posay - Hydraphase Intense Serum
  • Charlotte Tilbury - Charlotte's Magic Cream Moisturiser
  • Polaar - Icy Magic Instant Eye Energiser
  • Polaar - Baume Lèvres Lip Balm
-> Ich weiß, es ist eeeecht viel, aber soooo gut!

Frühstück:

  • dmBio - Kokos-Mandel Granola
  • dmBio - Paleo Müsli
  • dmBio - Kaffee Klassik, gemahlen
  • Provamel - Kokos-Mandel Milch 
  • Alnatura - Blütenhonig
  • hohes C - Apfel-/ Orangen-/ oder Frühstückssaft 
Podcasts:
  • Laura Maria Seiler - "Happy, holy & confident"
  • Lina Mallon - "#TwentysomethingColumn"
  • Lisa & Masha - "MatchaLatte"
  • Estée Lalonde - "The Heart of it"
  • Lily Pebbles & Anna Newton - "At home with..."
Für deine Tipps und Empfehlungen bin ich sehr dankbar. Immer her damit!

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Sonntag, 11. Februar 2018

Über Feminismus und MakeUp

"Feminism should allow us to be women in all different ways"... Ich habe diesen Blog nicht ohne Grund "Nicht noch ein Beauty-Blog" genannt. Sie sprießen wie Unkraut aus der Erde und man hat den Eindruck, sie dienen der Kosmetikindustrie lediglich als Produktplatzierung. Gleichzeitig habe ich aber schon in meinem ersten Post erwähnt, dass ich sicher auch die ein oder andere Beauty-Empfehlung haben werde. Denn auch wenn es etwas nervt, so haben die Worte "Hey guys. This is a tutorial how I do my MakeUp" am Abend auf YouTube schon fast eine meditative Wirkung auf mich.
Ich schminke mich ungefähr seit meinem 14. Lebensjahr. Damals hieß das: Viel zu dunkles MakeUp (So ca. zwei Nuancen...), Wimperntusche (Die letzten Härchen ausgespart, da unter Zeitdruck aufgetragen) und irgendwann dann auch einen dicken roten Strich a.k.a. Rouge auf den Wangen. Für mich war das eine Maske, hinter der ich mein mangelndes Selbstbewusstsein versteckt habe. Ich habe darin ein notwendiges Übel gesehen, Freude hat mir das nicht unbedingt bereitet. Denn mir war schon klar, dass das eher nicht so toll aussieht, aber das war mir egal.

Trotzdem habe ich immer mit großen Augen vor den Douglas-Filialen gestanden und etwas neidisch auf die Frauen geschaut, die sich professionell haben schminken lassen. Im Oktober 2015 habe ich mir dann selbst eine "Schmink-Beratung für Tages MakeUp" zum Geburtstag geschenkt. Neben der Anleitung werden einem natürlich auch die verwendeten Produkte ans Herz gelegt. Und nachdem ich gesehen habe, was alles aus mir "rauszuholen" ist, war ich verzaubert und habe zu allem "Ja, danke" gesagt. Ich wollte mich am Abend gar nicht abschminken, so toll fand ich das Ergebnis. Irgendwann musste das Zeug dann aber doch runter und ich nahm mir vor, so lange zu üben, bis ich es genauso hinbekomme. Das hat selbstverständlich nicht geklappt. Aber ich habe schon mal eine deutliche Verbesserung zu meiner vorherigen Schmink-Routine gesehen. Und was ich schnell erkannt habe: In einigen Fällen lohnt es sich wirklich, in sogenannte Highend-Produkte zu investieren. Tja, und seit diesem Tag ist "Beauty" eine Leidenschaft von mir - Sowohl dekorative Kosmetik als auch Hautpflege. Denn fast so schön wie das Anmalen am Morgen ist, wenn man sich abends davon befreien kann. Ich habe dann angefangen, mich mit Inhaltsstoffen und den verschiedenen Marken zu beschäftigen. Und, puh, was soll ich sagen: Der Kosmetikmarkt boomt und ist in Teilen echt überwältigend. Und lass dir von einer alten Frau gesagt sein: Wenn man die 30 erreicht hat, ist alles wo "Youth" und "Anti-Aging" drauf steht attraktive Spachtelmasse. Wenn die Base stimmt, ist das schon mal die halbe Miete. Was die dekorative Kosmetik betrifft, so empfiehlt es sich erst mal, in einer Parfümerie von geschulten Visagisten beraten zu lassen. Auch das bestsitzende MakeUp sieht nach Kinderfasching aus, wenn man die falschen Farben benutzt.
Ich finde, wenn man diese Tipps beachtet, geht der Rest fast wie von selbst. Und auch hier gilt: Übung macht den Meister. Inzwischen liebe ich es, mich morgens (halbwegs) professionell zu schminken und habe mir eine ordentliche Produktpalette angeschafft (Natürlich peu à peu und nicht auf einmal). Wenn man den Dreh erst mal raus hat, macht es richtig Spaß.

Tja, nur leider erhöht der Umstand, eine Schminktussi zu sein, eben nicht gerade die berufliche Wertschätzung. Dass ich eine kleine, zierliche Person bin, macht die Sache auch nicht besser. Ich erinnere mich an viele Situationen auf Arbeit, in denen mein Gegenüber dachte (oder hoffte?), ich sei vielleicht die dumme Praktikantin. So schrieb beispielsweise ein Journalist in einem Bericht über meinen ehemaligen Chef in einer Regionalzeitung, ich sei die "Bürokraft". Dabei hatten wir im Vorfeld Kontakt und unter meinen E-Mails an ihn stand immer "Wissenschaftliche Mitarbeiterin". Ich weiß, ich war nicht im Fokus des Artikels, trotzdem ärgere ich mich noch heute, dass ich ihn nicht auf seinen Fehler hingewiesen habe.
Ein anderes Beispiel: Nach der Bundestagswahl, als klar war, dass mein Vertrag am 1. November endet, hatte ich ein "Vorstellungsgespräch" bei einem FDP-Politiker. Es war ein lockeres Mittagessen, bei dem ich unter anderem auch über meinen bisherigen beruflichen Weg erzählt habe. Er wusste also von dem Masterstudium in Politikwissenschaft mit Spezialisierung auf Internationale Beziehungen und meinem vorherigen "Status". Mal abgesehen davon, dass ich nach dem Treffen fast vier Monate nichts mehr von ihm gehört hatte, hat er schließlich irgendwann am Telefon gesagt: "Momentan habe ich leider keinen Bedarf an einer Sekretärin"... WAS VERFLUCHT SOLL DAS? Ja, ich bin klein, sicher keine laute Person und mache mich gerne schick - Aber muss man mir deshalb die fachliche Kompetenz absprechen?
Es ist ja eine Binsenweisheit, dass die Körpergröße und das Aussehen erheblichen Einfluss auf den beruflichen Erfolg haben. Attraktivität hilft sicher erst mal, um einen Job zu bekommen. Es ist aber zweifelhaft, ob man es so als Frau bis in die Führungsetage schafft. Andererseits haben Frauen, die von ihren männlichen Kollegen als unattraktiv "bewertet" werden, ebenfalls Schwierigkeiten beim Karriereaufstieg. Offensichtlich werden wir immer auch als potentielle Sexpartner betrachtet und danach eingestuft. Ja, natürlich darf man das nicht pauschalisieren. Und mir ist klar, dass es auch Sexualisierung von bzw. Gewalt gegen Männer gibt. Das wird von den Kritikern der #Aufschrei und #MeToo Kampagnen ja stets betont. Tun wir unseren männlichen Kollegen also Unrecht? Nun, es gibt diese Formel, die sich mir eingeprägt hat: Sexismus= Vorurteil+Macht. Das bedeutet, zusätzlich zu den verletzenden und unangenehmen Bemerkungen gibt es auch eine klare Struktur, die ein Geschlecht systematisch benachteiligt. Und seien wir ehrlich, das betrifft vordergründig uns Frauen. Das bedeutet nicht, dass die Sexualisierung von Männern weniger schlimm ist. Aber ist sie auch strukturell?
Ich bin jedenfalls mehr als dankbar dafür, dass wir wieder verstärkt über Frauenrechte reden. Typen wie Trump und Harvey Weinstein machen es nötig. Und ich befürchte, es wird auch noch lange ein Thema bleiben (müssen).

Montag, 8. Januar 2018

Lifeupdate

Long time no see... Als ich den Blog letzten Herbst gestartet habe, bin ich voller Eifer und Ideen an die Sache rangegangen. Das Schreiben macht mir enorm viel Spaß. Eine gewisse Affinität für Social Media habe ich zudem auch. Passt also alles wunderbar.
Doch das reale Leben zwingt einen manchmal dazu, Dinge, die einem wichtig sind, hinten anzustellen. Und genau deshalb kam ich die letzten zwei Monate leider nicht dazu, einen neuen Beitrag zu schreiben. Nicht, dass ich mich rechtfertigen müsste. Aber ich will es wenigstens erwähnen. Was ist also alles passiert...?


Zunächst einmal: Auch in 2017 gab es keinen richtigen Herbst. Und auch der Winter lässt hier in Deutschland gerade auf sich warten. Das Wetter spielt verrückt. Und da macht sich US-Präsident Trump allen Ernstes mit schwachsinnigen Bemerkungen über den Klimawandel lustig. Zum Kälteeinbruch in den USA schrieb er auf Twitter: "Vielleicht könnten wir gerade ein bisschen von dieser guten alten Erderwärmung gebrauchen [...]. "Seriously!?!? Aber gut, hier soll es gerade eigentlich nicht ums Wetter gehen und auch nicht um Politik. Irgendwie aber schon. Denn das politische Klima in Deutschland hat sich der Wetterlage angepasst. Der Ausgang der Bundestagswahl ist eine Katastrophe. Die SPD, also die Partei, der ich seit nun elf Jahren angehöre, liegt am Boden. Und was noch viel schlimmer ist: Jetzt sitzen auch Nazis im Hohen Haus. Beides kam am 24. September nicht unbedingt überraschend und ist dennoch ein Schock.
Wie in einem vorherigen Beitrag geschrieben, stand auch mein Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Berliner Abgeordnetenbüro auf dem Spiel. Bei 20,5% für die SPD und einen nicht ganz so aussichtsreichen Listenplatz war schnell klar, dass mein Chef nicht wieder "rein kommt". Und somit lief mein Arbeitsvertrag und der vieler meiner Kollegen am 1. November aus. Grabesstimmung überall. Und unser gesamter Flur musste Kisten packen beziehungsweise die Büros räumen. Neben mir waren fortan noch ca. 200 weitere SPD-Mitarbeiter auf Jobsuche. Die wenigen vakanten Stellen bei den paar "neuen" Abgeordneten waren heiß begehrt und ja, auch umkämpft. Anbiedern liegt mir allerdings nicht. Und so habe ich nur den Kontakt zu den Thüringer Abgeordneten gesucht. Das Ende vom Lied: Die MdBs wollen sich bezüglich Mitarbeiter noch nicht festlegen und erst mal abwarten, wie es weitergeht. Also hieß es: UMORIENTIEREN. Und auch wenn ich während meiner  Zeit im Bundestag öfters kurz vorm Verzweifeln war und mich das Verhalten von einigen Abgeordneten, gerade aus meiner Partei, über die Maßen enttäuscht hat, so war es doch ein komisches Gefühl. Ich bin eh ein Mensch, der sehr an alten Gewohnheiten hängt und Muster nur schwer ablegen kann. Eins wusste ich schnell: Ein neuer Lebensabschnitt sollte folgen. Sicher hätte ich mir erst mal die Zeit nehmen können (Vielleicht auch sollen!?), um in mich zu gehen. Darüber nachzudenken, was ich künftig machen will. Ist ein Umbruch nicht auch immer eine Chance, etwas besser zu machen!? Aber so bin ich nicht sozialisiert. Und auch wenn es mir sicher gut getan hätte, mit mir in Klausur zu gehen, so hätte mich die Situation ziemlich schnell verrückt gemacht. Zum Glück hat es nicht lange gedauert und ich habe ein neues Jobangebot bekommen. Seit 1. Dezember bin ich bei der Thüringer SPD-Landtagsfraktion. 

Neben dem Jobwechsel stand am Ende des Jahres also auch ein Umzug auf dem Plan - Und das sehr kurzfristig. Da ich noch den aberwitzigen Wohnungsmarkt von Berlin gewohnt war, hatte ich richtig Bammel davor. Aber es hat tatsächlich nur zwei Besichtigungstermine gebraucht, bis ich eine neue Bleibe gefunden hatte. Ich wohne jetzt in einem richtig schicken Viertel, nur einen kurzen Spaziergang von der Erfurter Innenstadt entfernt. Nach über drei Jahren WG-Leben habe ich nun endlich meine eigenen vier Wände. Die habe ich mir sicher nicht deshalb schon seit langem gewünscht, damit ich ungestört "nackt durch die Wohnung tanzen" kann, sondern weil ich meinen Rückzugsort brauche. Nun habe ich meine kleine Wohlfühloase gefunden. Und auch die Arbeit ist wunderbar angelaufen. Ich freue mich über sehr hilfsbereite Kollegen und  umgängliche Abgeordnete. Vielleicht finde ich hier ja das erloschene Feuer für die Politik wieder!? Landespolitik ist definitiv eine ganz andere Nummer als der Bundestag. Mein Eindruck nach den ersten Wochen: Status und Privilegien spielen hier keine Rolle. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Bisher bereue ich die Entscheidung jedenfalls nicht. Auch wenn mir Berlin und vor allem meine Freunde dort unheimlich fehlen. Ein großes Stück Lebensweisheit, viele unglaubliche Erlebnisse, großartige Menschen und meine ersten Schritte in der Arbeitswelt habe ich dort erfahren dürfen. Dafür bin ich unendlich dankbar! Und auch wenn ich Erfurt bezaubernd finde - Ich bin mir sicher: Eines Tages lande ich wieder in unserer schrecklich schönen Hauptstadt.

In diesem Sinne: Möge 2018 einfach noch mal besser werden als alles was bisher da war :-)
HAPPY NEW YEAR!

Sonntag, 8. Oktober 2017

Dein Körper gehört dir!

Ich habe diesen Blog ins Leben gerufen, um über die Dinge zu schreiben, die mich so bewegen - Schöne wie beängstigende und manchmal eben auch traurige. Im heutigen Beitrag geht es um Essstörungen - Danke, liebe Freundin, für die Inspiration.
Ich war eigentlich immer eine recht schlanke, zierliche Person. Auch während der Pubertät musste ich mir nie Gedanken darüber machen, was und wie viel ich esse. Ich habe mein Gewicht konstant gehalten. Ab der Abi-Phase und während des Studiums habe ich dann peu à peu zugenommen. Ich war bewegungsfaul und einfach zu klein für die vielen Leckereien, die ich so zu mir genommen habe. Zu Spitzenzeiten hatte ich dann 65 kg bei knappen anderthalb Metern Körpergröße. Dabei habe ich mich trotzdem noch wohl gefühlt, wenn auch nicht im klassischen Sinne schön. Bedenken von Außenstehenden à la "Langsam musst du wirklich mal aufpassen. Bei deiner Größe sieht man doch jedes Pfund zu viel auf den Hüften", habe ich geflissentlich ignoriert. Manchmal braucht man ja im Leben einen "Turning Point". Meiner war definitiv im Juli 2012. Da traf ich mich an einem wunderschönen Sommertag mit einer Freundin auf halber Strecke in Koblenz. Wir hatten einen tollen Tag in dieser bezaubernden Stadt. Am Abend habe ich mir dann die gemeinsamen Fotos angeschaut und war regelrecht geschockt: Das sollte ich sein!? Wie hatte ich es nur so weit kommen lassen können? Und da schwor ich mir, etwas zu ändern. Ich wusste, das wird brutal und wohl länger dauern als nur ein paar Wochen.

Also fing ich an, mich über verschiedene Abnehm-Techniken zu informieren, habe deren Vor- und Nachteile abgewogen und schließlich alle für Nonsens befunden. Eine Hauruck-Aktion, bei der man vielleicht in 4 Wochen 7 kg verliert, dafür aber in kürzester Zeit mindestens das Doppelte wieder drauf hat, kam für mich nicht in Frage. Ich wollte wirklich etwas nachhaltig ändern. Und wenn ich eine Charakterstärke besitze, dann ist das Disziplin.


Ich entschied mich schließlich für eine Kombination aus Sport und Ernährungsumstellung. Von dem Zeitpunkt an gibt es zwischendurch keinen Latte macchiato mehr und ich versuche seitdem, feste Essenszeiten einzuhalten. Nach 18 Uhr esse ich in der Regel nichts mehr. Außerdem habe ich mit einem kurzes Krafttraining morgens und abends begonnen - jeweils 50 Sit-ups, 30 Liegestütze und 30 Squats. Das ist schnell und effektiv, kann man z. Bsp. wunderbar während der "Tagesschau" machen. Ansonsten habe ich anhand einer Formel aus dem Internet ausgerechnet, wie viele Kilokalorien ich am Tag zu mir nehmen sollte. Bei meiner Größe, Alter und Geschlecht kamen dabei 1.700 Kcal raus, um das Gewicht zu halten. Also musste ich logischerweise etwas darunter liegen, wenn ich abnehmen wollte. Mein Tagesziel waren dann 1.500 Kcal - Mal mehr, mal weniger. Am Anfang war es hart, aber als ich erste Ergebnisse gesehen habe, mich mein Umfeld darauf ansprach und ich neue Kleidung in kleineren Größen kaufen konnte, hat mir das zusätzlichen Antrieb gegeben. So habe ich es schließlich geschafft, 22 kg in 1,5 Jahren abzunehmen. Und seit 2014 kann ich mein Gewicht halten. Mein wichtigster Tipp: Sich nicht permanent zum Verzicht zwingen - Ab und an gehört ein Schokoriegel einfach dazu!

Am schwierigsten war wohl, den Punkt zu erkennen, an dem ich aufhören musste, weiter abzunehmen. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mein Gewicht nicht plötzlich ein großes Thema für mich war. Ich war regelrecht besessen davon. Das ging soweit, dass ich teilweise bei meinen Medikamenten überlegt habe, ob ich sie nehmen kann, oder ob ich dann über die 1.500 Kcal komme. Jeden Abend bin ich auf die Waage gegangen und habe überprüft, ob sich an der Zahl etwas verändert hat. Das war definitiv nicht mehr gesund. Inzwischen habe ich das aber gut im Griff. Ich zähle keine Kalorien mehr und mein Körper sagt mir, was er braucht. Ich esse auch mal einen Burger, habe dafür aber am nächsten Tag eher Hunger auf einen Salat.

Vielleicht denkst du jetzt, ich sei jetzt von einem Extrem ins nächste gestolpert. Aber bitte glaube mir, wenn ich dir sage: Ich fühle mich, so wie ich bin, absolut wohl!
Ja, dieser Post ist sehr persönlich, ich habe darin einiges über mich preisgegeben. Letztlich ist ein Blog doch aber genau dafür da, so lange man die Grenzen kennt. Und ich hoffe, es kommt nicht so rüber, als wollte ich jetzt dazu animieren, ebenfalls abzunehmen. Ich will mich sicher nicht in die Kategorie "Schlankheitswahn" einreihen. Unsere Körper gehören uns. Da darf uns verdammt nochmal niemand reinreden! Das wichtigste ist doch, dass wir gesund sind und hoch erhobenen Hauptes in den Spiegel schauen können. Nur wenn du aus eigenem Antrieb etwas ändern willst, solltest auch du loslegen. Ein von den Klatsch-Medien und Teilen der Gesellschaft vermitteltes, vollkommen schwachsinniges, Schönheitsideal darf nie die Motivation sein. Ich will dir mit meiner Geschichte einfach Mut machen.
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